CALL FOR PAPERS – GDVT-Jahrestagung 2027 „Menschlichkeit im 21. Jahrhundert — zwischen Digitalisierung, Klimawandel und Neuordnung der Welt“

Die GDVT-Jahrestagung 2027 findet am Samstag, den 20. März 2027 an der Fu Jen Catholic University in Taipeh statt. Das Thema der Tagung lautet „Menschlichkeit im 21 Jahrhundert — zwischen Digitalisierung, Klimawandel und Neuordnung der Welt“. Senden Sie Ihr Abstract (300 bis 500 Wörter) in zwei Sprachen (chinesisch – deutsch) und füllen Sie bitte die beigefügte „Paper Submission Application Form“ aus. Bitte senden Sie die Unterlagen bis spätestens 15. Juli 2026 per E-Mail mit dem Titel: „GDVT-Jahrestagung 2027“ an G26@mail.fju.edu.tw (Sekretariat des Instituts).

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Call for Papers

Menschen in den verschiedenen Teilen der Welt stehen vor einer nie dagewesenen Vielfalt der Optionen: Die rasante technologische Entwicklung, die zusehends bedrohlichere Umweltzerstörung und schwindendes Vertrauen in bisher als verlässlich geltende internationale Kollaborationsgefüge erfordern zukunftsweisende Denkmodelle, die neue Potenziale erkennen und ausschöpfen können. Gegenseitiges Lernen in Netzwerken und Partnerschaften, kritisches Denken, das Verständnis komplexer Systeme und das Entwerfen von Zukunftsszenarien wirken dabei als Grundlagen der Innovationsförderung. Fragen der persönlichen Entfaltung, eines nachhaltigen Lebensstils, der Beschäftigungsfähigkeit, aktiven Bürgerschaft und sozialen Inklusion müssen neu verhandelt werden, wofür zwischenmenschliche Fähigkeiten, aktive Bürgerschaft und kulturelles Bewusstsein eine wichtige Rolle spielen. Hier können die Germanistik und sprachbezogene Disziplinen direkt Position beziehen und durch interkulturellen Dialog aktiv zu Konfliktlösungen beitragen. Angesichts einer zunehmend von gewaltsamen Konflikten geprägten Gegenwart müssen Werte wie Demokratie und Humanität wieder in den Mittelpunkt gerückt werden.

Wie können sich Germanistik und DaF angesichts dieser Herausforderungen zukunftsfähig neu positionieren? Ist das Erlernen von Fremdsprachen mit der Verfügbarkeit von ChatGPT & Co. überhaupt noch nötig? Welche Denkanstöße kann die Literatur einer Welt ohne Zuversicht anbieten, und welche Impulse können interkulturelle Theorie und Praxis geben, um tiefgreifende, gegensätzliche Überzeugungen konstruktiv zusammenzuführen? Wie können Literaturwissenschaft, Linguistik, Übersetzer*innen und Deutschlehrende KI effektiv und nutzbringend einsetzen, internationale Problemlagen thematisieren und neue Lernmodelle entwickeln? Tatsächlich besteht hier ein reichhaltiger, nutzbringender Fundus an hochaktuellem Unterrichtsmaterial und vielversprechenden Lerninhalten, der für Pädagogen und Lernende gleichermaßen hervorragendes Entwicklungspotenzial aufweist. Das Institut für deutsche Sprache und Kultur der Fu Jen Catholic University lädt ein, diese Themen gemeinsam zu diskutieren.

Wir suchen den akademischen Austausch zu den folgenden Themen:

DaF: Welche Best-Practice-Konzepte, sinnvolle Ideen und Methoden gibt es, um KI-Tools für das Deutschlernen, die Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung zu nutzen? Wie lässt sich das Thema Nachhaltigkeit sprachlich und handlungsorientiert in den Deutschunterricht integrieren? Wie verändert sich die Stellung des Deutschlernens angesichts geopolitischer Verschiebungen, Migration und kultureller Diversität?

Literaturwissenschaft: Mögliche Schwerpunkte bilden die Untersuchung literarischer Repräsentationen des digitalen Subjekts sowie Fragen nach Identität, Entfremdung und Menschenwürde im Zeitalter der KI; die kritische Analyse ökologischer Bewusstseinsprozesse und Klimaangst-Narrative in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur; die Erforschung von Migrations- und Grenzerfahrungen als Ausdruck humanitärer Krisen und weltpolitischer Neuordnung; sowie die kritische Reflexion literarischer Erinnerungskultur, historischer Verantwortung und moralischer Menschlichkeit in Zeiten des globalen Umbruchs.

Sprachwissenschaft: Wie verändern globale Herausforderungen wie zunehmende KI isierung, Klimawandel und geopolitische Neuordnung den Sprachgebrauch und die sprachwissenschaftliche Analyse? Mögliche Schwerpunkte bilden die linguistische Analyse von Diskursen globaler Transformationsprozesse und Krisen, die Erforschung von Mensch-Maschine-Interaktionen sowie die kritische Reflexion von Menschlichkeit, Ethik und KI in der sprachlichen Praxis.

Übersetzung: Wie kann Übersetzung angesichts politischer und ökologischer Krisen sowie der raschen Veränderung und Neuordnung gesellschaftlicher Werte und Ideologien bei der Informationsvermittlung und interkulturellen Kommunikation dennoch humanistische Werte, Menschlichkeit sowie kritisches Denken und Kreativität bewahren? Vor dem Hintergrund von Internet-basierten Remixes, maschineller Nachbearbeitung, multilingualer Produktion und der vielfältigen Anwendung von KI-Tools stellt sich die Frage, wie wir die Konzepte von Original und Übersetzung, Autor und Übersetzer:in, Lokalisierung und Globalisierung, Menschlichkeit oder Instrumentalisierung in diesem neuen Umfeld reflektieren und gegebenenfalls neu definieren können.

Digital Literacy: Mediennutzung braucht Medienkompetenz. Wie sehr beeinflussen FOMO, Fake News und Smartphone-Sucht den Lernfortschritt? Welche Gegenmaßnahmen und Hilfsangebote sind möglich? Schnittstellen der Germanistik: Welche Synergien ergeben sich aus dem Transfer sprach-, literatur- und übersetzungswissenschaftlicher Erkenntnisse in die Unterrichtspraxis und vice versa? Wie können interdisziplinäre Ansätze, etwa durch die Analyse von Klima- und Krisendiskursen, den Umgang mit KI-generierter Literatur oder die Reflexion maschineller Übersetzung, im DaF-Unterricht genutzt werden, um kritisches Denken, interkulturelle Kompetenz und aktive Bürgerschaft bei den Lernenden zu fördern?

Wir freuen uns auf einen intensiven Austausch!